über "Armeetaucher
und Tourikäffer"
Armeetaucher?
Ein Bildtableau aus vier Teilen.
Du hast dich mit deinem digitalen Videotele in den militärischen
Sperrbezirk begeben?
Nein, gar nicht. Das war ja das Seltsame. Ich war in einem südfranzösischen
Urlaubsort. Richtig romantisch und mit eindrucksvoller Burg und Traumkulisse.
Da schwammen Rentner und Kinder, Touristen und Soldaten.
Soldaten?
Ja. Das war 2002. Offensichtlich wollte man die Militärpräsenz
zu etwas ganz normalem machen, die Bevölkerung daran gewöhnen.
Die Bilder haben etwas bedrohliches und sind aber doch eigentlich
harmlos …
Darin unterscheiden sie sich nicht von z.B. dem Paparagazzi-Projekt.
Aufgeladen wird die Szene durch meinen künstlerischen Eingriff. Meine
spannerhafte Entfernung, die "schlechte" Qualität der Bilder.
Schlecht? Die sind doch schön?
Schön, aber nicht im konventionellen SInn. – Ästhetische
Produkte. Und um deine nächste Frage gleich vorwegzunehmen: ja, ich
erlaube mir ästhetische Produkte im Zusammenhang mit der Vorbereitung
militärischer Einsätze. Die Ästhetik steigert doch die
Bedrohlichkeit.
Im Fernsehen sind die Bilder doch auch so "schlecht".
Aber nur weil die Fernsehmacher nicht besser können. Die würden
den Golfkrieg II gerne in High-Definition zeigen, allein: sie haben noch
nicht die technische Infrastruktur. Beim Goflkrieg III dann vielleicht.
Zyniker!
Zynisch finde ich die neue Ästhetik der "eingebetteten Fotojournalisten".
Die schönen, bunten Digitalbilder, übermittelt mithilfe der
Satelitenanlagen der US-Armee. Die sehen doch gar nicht aus wie aus dem
Krieg. Wenn die Mondlandung in Hollywood gedreht wurde, dann wurden diese
Bilder in Hollywood auf einer Renderfarm gerechnet …
Und was will uns das sagen?
Es gab mal einen Fotograf und Brieftaubenzüchter in Gelsenkirchen,
der schickte die Filme vom Fußballspiel immer mit der Taube voraus
… Der war immer schneller …
Entweder du spielst mit, oder du entziehst dich dem und entwickelst deine
eigenen Strategien.
Danke dir für das Gespräch.
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